Gute Arbeitsbedingungen für gute Recherchen: Petition

Das Recherche-Netzwerk investigativ.ch vertritt die Meinung, dass gute Recherchen nur mit guten Arbeitsbedingungen möglich sind. Deshalb unterstützen wir die von syndicom und impressum lancierte Petition für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen in den Medien.

Ziel der Petition ist, dass der Verlegerverband VSM die Verhandlungen mit syndicom und impressum für einen Gesamtarbeitsvertrag Presse für die Deutschschweiz und das Tessin wiederaufnimmt. Derzeit sind die Verhandlungen unterbrochen, da sich der VSM weigert, sein Angebot zu verbessern. Der VSM beharrt auf schockierend tiefen Mindestlöhnen, und regelmässig freischaffende Mitarbeitende («Freie») sollen es weiter sehr schwer haben, unter den Schutz des GAV zu kommen.

Hier findest du mehr Informationen und kannst bei Interesse die Petition unterzeichnen.

Quellen für die investigative Wirtschaftsrecherche

Missstände aufdecken und Informationen belegbar machen: Das ist besonders herausfordernd, wenn Firmen diskret über Briefkästen funktionieren, Multis international verflochten sind oder Unternehmer mit Kryptowährungen jonglieren. Wir haben die besten Quellen für solche Recherchen gesammelt.

Dieses Listicle entstand mit der Hilfe von Inputs des Recherchedesks von Tamedia und SRF Investigativ. Fehlt noch eine Quelle? Dann schick uns gerne eine E-Mail an kontakt@nospam-investigativ.ch.

Informanten: Hart zu knacken und Belege zwingend

Insider sind Gold wert, insbesondere bei der Rekonstruktion von Ereignissen (z.B. wer-wusste-wann-was) oder bei Stories rund um Personalpolitik. An sie heranzukommen ist aufwendig, die Zurückhaltung ist in dieser Branche gross. Doch es lohnt sich: Internas kommen oft nur so an die Öffentlichkeit. Weil die Informationslage so dünn ist, besteht jedoch die Gefahr, als Journalist:in instrumentalisiert zu werden, z.B. allein schon dadurch, dass Quellen bestimmte Informationen auslassen. Es gilt hier deshalb strikt das 2-Quellen-Prinzip – und im Idealfall einen zusätzlichen Beleg in Papierform.

Handelsregister: Schau genau hin!

Oft unterschätzte Quellen, da sie nicht so geheimnisvoll anmuten wie ein «Whistleblower». Durch die Recherche in Registern finden wir neue Hinweise, können Netzwerke erforschen und erhalten wichtige Informationen. Interessant sind auch die Möglichkeiten ausländischer Register, wie das Company House in Grossbritannien oder SEC in den USA. Dort gibt es zusätzliche Dokumente, auch über Schweizer Firmen. Open Corporates ist eine Website, die viele Handelsregister der Welt durchsuchbar macht. Ein weiteres Tool ist The Official Board, wo Firmen-Organigramme hinterlegt sind und Manager-Namen, die nicht in den Handelsregistern zu finden sind.

Social Media: Scams und Trolls

Ein wichtiges Tool, um Personen zu finden und potentielle Betrüger zu identifizieren. Viele Scams laufen mittlerweile auf den sozialen Netzwerken. Auf der Suche nach Hinweisen kann X, Reddit oder Instagram wertvoll sein. Vorsicht: Gerade in der Krypto-Szene tummeln sich auch viele (anonyme) Trolls und es gibt gegenseitige Anschuldigungen in der Branche. Posts können gute Hinweise für die Recherche sein, sind aber an sich kein Beleg.

Spezifische Tools und Fachexperten: Krypto-Transaktionen

Transaktionen mit Kryptowährungen sind viel transparenter als gemeinhin angenommen wird. Die Crux bei diesen Recherchen: Die Wallet-Adresse zu identifizieren. Dafür müssen wir Offline-Quellen anzapfen oder Glück haben. Manchmal posten Besitzer ihre Adresse in Foren oder als Spendenaufrufe. Hat man die Adresse, können Transaktionen verfolgt mit Tools wie blockchair.com und etherscan.io werden. Auch ist es möglich, Wallets zu identifizieren, wenn man genügend Informationen (z.B. Zeitpunkt / Höhe des Betrags) hat. Wird es zu technisch, ist es sinnvoll bei der Recherche mit einem Branchenexperten in den Austausch zu gehen.

NGOs: Expertenwissen und Kontakte

Viele Organisationen verfügen über ein breites Netzwerk und tiefes Fachwissen über Firmen. Im deutschsprachigen Raum aktiv sind u.a. Public Eye, Greenpeace, Human Rights Watch, Bedrohte Völker, FinanceWatch. Die Informationen journalistisch zu verifizieren ist auch im Kontakt mit NGOs zentral, z.B. müssen Belege mit journalistischen Kriterien nachvollziehbar sein, Interviews selbst und journalistisch geführt werden. NGOs im Ausland können einen Türöffner sein, um Kontakte oder Betroffene zu finden. Um NGOs in aller Welt zu finden, gibt es Datenbanken, die nach Land und Thema filterbar sind.

Anwälte und Politiker: Insights mit Interessen

Sie haben exklusive Inhalte, die den Durchbruch bei der Recherche bedeuten können. Aber: Sie haben Interessen. Es gilt also wie bei den NGOs die Regel: Wir Journalisten müssen die Informationen unabhängig überprüfen. Wichtig in diesen Fällen: Früh die Gegenseite kontaktieren, um die Gegenargumente zu kennen und die Recherche entsprechend zu gestalten.

Justizdokumente: Die Autobahn zur exklusiven Story

Oft unterschätzt. Strafbefehle, Anklageschriften oder Einstellungsverfügungen enthalten oft eigene Stories oder Hinweise auf weitere Rechercheansätze. Auch verwaltungsstrafrechtliche Verfügungen können interessant sein. Richtig ausgewählt und geplant, kann die Einsicht in diese Dokumente exklusive Stories, die schnell umsetzbar sind, hervorbringen. Strafbefehle sind in den meisten Kantonen einsehbar, mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen – diese erfährt man bei den jeweiligen Ämtern, wo man sich auch anmelden kann.

Das Datenleck: Eine eigene Disziplin

Der Vorteil ist, dass die Informationen direkt mit Daten belegbar sind und das Bild meistens umfassend ist, z.B. alle Dokumente eines Falls geleakt wurden. Der Nachteil ist, dass ein Datensatz oft chaotisch ist und mit viel Aufwand strukturiert werden muss. Und manchmal bringen Lecks ethische und rechtliche Fragen mit sich, z.B. wenn sie ursprünglich als Hack entstanden sind. Das öffentliche Interesse muss beim Verwenden solcher Daten überwiegen. Der Aleph von OCCRP vereint viele Datensätze, die von Journalisten durchsucht werden können.

Goldener Bremsklotz 2023: Die Nominierten!

Wer soll den Goldenen Bremsklotz 2023 für die grösste Informationsverhinderung des Jahres erhalten? Wie jedes Jahr hat der Vorstand von investigativ.ch aus euren zahlreichen Vorschlägen drei Spitzenkandidaten ausgewählt.

  • Der geheime CS-Deal: Finanzministerin Karin Keller-Sutter
  • Die untransparenten Preise: Migros
  • Die verweigerten Stellungnahmen: Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr

Abstimmen können alle Mitglieder von investigativ.ch. Sie haben ein entsprechendes Mail erhalten.

Der geheime CS-Deal

Obwohl die Öffentlichkeit beim Zusammenbruch der Credit Suisse und der anschliessenden Übernahme durch die UBS mit 209 Milliarden Franken haftete, wird ihr der Zugang zu relevanten Informationen verwehrt. Der Bundesrat – an vorderster Front die federführende Finanzministerin Karin Keller-Sutter – hat gestützt auf eine Notverordnung gehandelt und viele Aspekte des Falls zur Geheimsache erklärt. Informationen, vor allem bezüglich Liquiditätshilfen und Ausfallgarantien, werden geheim gehalten. Medienschaffende blitzten mit ihren Anfragen zum Krisenfall reihenweise ab. Dieses Vorgehen ist staatspolitisch bedenklich. Es ist unverständlich, weil das Öffentlichkeitsgesetz ausreichende Schutzmechanismen auch für diese ausserordentliche Situation geboten hätte. Eine solche Geheimhaltungspolitik gefährdet das Vertrauen in die Regierung, insbesondere in einer Zeit, in der Vertrauen eine Schlüsselrolle spielt. In dieser Krise wäre maximale Transparenz erforderlich gewesen.

Die Antwort der Finanzdirektorin:

Das EFD verzichtet auf eine Stellungnahme und weist darauf hin, dass die von investigativ.ch kritisierten Entscheide vom Gesamtbundesrat gefällt worden sind.  

Ausführliche Nomination

Die untransparenten Preise

Die Rechtsabteilung des grössten Schweizer Einzelhändlers hat versucht, die Veröffentlichung seiner Margen für Bio-Produkte zu verhindern. Nicht nur die Arbeit der Medien, auch die Arbeit des Preisüberwachers Stefan Meierhans hat die Migros dadurch behindert. Indem sie Berichte von Medien über die hohen Margen der Migros diskreditierte, jedoch keine Transparenz walten liess, um das Gegenteil zu beweisen. Und indem sie die Veröffentlichung des Berichts des Preisüberwachers nicht nur verzögerte, sondern auch erreichte, dass der Preisüberwacher zahlreiche Anpassungen vornahm – mit Anträgen weit über allfällige Geschäftsgeheimnisse hinaus.  

Die Antwort der Migros:

Wir waren gegenüber dem Preisüberwacher sehr transparent und haben ihm umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung gestellt. Auch haben wir keinerlei Druck auf ihn ausgeübt – dazu haben wir auch gar keine Handhabe. Trotz umfangreicher Untersuchung konnte der Preisüberwacher in seinem Bericht nicht belegen, dass die Migros höhere Margen berechnet. Die Gewinnmargen des Detailhandels und damit auch der Migros sind ausgesprochen dünn. 2022 lag jene der Migros-Gruppe gerade mal bei 1.5%. Ein grosser Teil der Teuerung hat die Migros selber getragen. Darüber hinaus hat die Migros kein Interesse, möglichst viel Gewinn zu erzielen: So bezahlen wir keine Boni und müssen keine Investoren zufriedenstellen.

Ausführliche Nomination & Stellungnahme Migros

Die verweigerten Stellungnahmen

Mario Fehr, Vorsteher der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, lässt in seiner Kommunikation Willkür walten. Er investiert viel Zeit in Gespräche mit Medienleuten und ermutigt sie enthusiastisch, in seinem Sinne zu berichten. Manchmal ruft er sogar von sich aus Redaktionen an, um sich zu vergewissern, dass die laufende Recherche seinen Vorstellungen entspricht. Bei unliebsamer Berichterstattung hingegen verweigert er die Stellungnahme und Auskunft gänzlich. Die dokumentierten Beispiele sind vielfältig: kritische Fragen zum Hooligan-Konkordat, zum abgesagtes Rosengarten-Fest, Recherchen zu Asylunterkünften in Lilienberg und der Zürcher Polizeikaserne. Die Sicherheitsdirektion mit ihrer Medienstelle ist als öffentliches Amt mit Steuergeldern finanziert – reagiert diese bei kritischen Fragen geharnischt, gibt willkürlich Auskunft und will Redaktionen beeinflussen, agiert sie undemokratisch und transparenzfeindlich.

Die Antwort von Mario Fehr: Mario Fehr hat nicht geantwortet.

Ausführliche Nomination

investigativ.ch unterstützt «das Geld + die Politik»

Ab diesem Oktober müssen nationale Parteien, Nationalratskandidat:innen sowie nationale Abstimmungskomitees ihre Finanzen (teilweise) offenlegen – ein Meilenstein in Sachen Politiktransparenz.

Die von der Eidgenössischen Finanzkommission veröffentlichten Finanzierungsdaten sind ohne Aufbereitung und Hintergrundrecherche jedoch nur schwer interpretierbar. «das Geld + die Politik» greift hier ein. Wir nehmen die Budgets und Abrechnungen der politischen Akteur:innen, bereiten sie auf, machen sie einfach durchsuchbar und geben ihnen den nötigen Kontext.

«das Geld + die Politik» wird eine kostenlose Datenbank, für alle Nutzer:innen frei zugänglich. Damit wir diese Vision von Transparenz verwirklichen können, brauchen wir Unterstützung. Genauer gesagt: Es fehlen uns noch 15’000 Franken, um das Online-Tool zu bauen und Licht ins Dunkel der Schweizer Politikfinanzierung zu bringen.

Hier kannst du das Crowdfunding unterstützen.


«Das Geld und die Politik» ist eine Kooperation vom WAV Recherchekollektiv, Lobbywatch, Opendata.ch und investigativ.ch. Das Projekt wird unterstützt von der Stiftung Mercator Schweiz.

investigativ.ch wehrt sich gegen geheime Medikamentenpreise

Gemeinsam mit einer breiten Allianz von Medienverbänden und -organisationen wehrt sich investigativ.ch gegen die geplante Schwächung des Öffentlichkeitsprinzips und der Transparenz der Verwaltung im Rahmen des Krankenversicherungsgesetzes.

Der Bundesrat will in der laufenden Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) in Artikel 52c das Öffentlichkeitsprinzip teils ausser Kraft setzen und die Transparenz schwächen. Konkret soll das Öffentlichkeitsgesetz nicht mehr gelten, wenn es um die Vereinbarung von Preismodellen und allfälligen Rückerstattungen geht.

Wirtschaftliche Interessen sind bereits geschützt

Eine breite Allianz von Medienverbänden und -organisationen (Öffentlichkeitsgesetz.ch, investigativ.ch, Verband Schweizer Medien, SRG SSR, TELESUISSE, Medien mit Zukunft, Reporter ohne Grenzen, Syndicom, SSM, MAZ) setzt sich für Transparenz und gegen diese Ausnahmebestimmung ein. Eine solche Ausnahmebestimmung untergräbt die Absicht des Öffentlichkeitsgesetzes (BGÖ), die Transparenz in der Verwaltung zu fördern und stellt einen nach jahrelangen Diskussionen erzielten politischen Konsens in Frage. Schaffen Bundesrat und Parlament hier einen Präzedenzfall, besteht die Gefahr, dass das BGÖ künftig von verschiedenen Interessengruppen angegriffen und schrittweise abgebaut wird.

In sorgfältig definierten Ausnahmekategorien, insbesondere in sicherheitspolitisch heiklen Bereichen, ist das Öffentlichkeitsgesetz heute nicht anwendbar. Keine der Ausnahmen betrifft gesundheitspolitische Themen. Eine Neuregelung würde der etablierten Rechtspraxis auf nationaler Ebene sowie der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte widersprechen. Wirtschaftliche Interessen wie das Geschäftsgeheimnis sind im aktuellen Gesetz ausreichend geschützt.

Transparenz und öffentliche Kontrolle sind grundlegend für das Vertrauen

Angesichts der aktuellen Debatte um das Gesundheitssystem und seine wenig transparenten Kosten würde die Ausnahme der Medikamentenpreise vom Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes das öffentliche Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem, der Pharmabranche und der Verwaltung verstärken. Nur mit Transparenz kann das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden gestärkt werden.

Das Öffentlichkeitsgesetz des Bundes ist ein wichtiges Recherchemittel für Medienschaffende, da es ihnen erlaubt, mit offiziellen Dokumenten Informationen zu verifizieren und Fakten zu publizieren. Seit 2016 hat sich die Zahl der journalistischen Beiträge, die mit einem Öffentlichkeitsgesetz des Bundes oder eines Kantons realisiert wurden, verfünffacht. Dabei wurden auch wichtige Dysfunktionen der Verwaltung aufgedeckt, wie beispielsweise die Korruptionsaffäre im Seco, Fehleinschätzungen der Corona-Taskforce zu Beginn der Pandemie im Februar 2020, die Hintergründe der Privatisierung der E-ID oder Mängel beim Sicherheitsfunknetz Polycom.

Zu unserem ausführlichen Argumentarium

Nachtrag: Nationalrat für Geheimhaltung
In der Herbstsession sprach sich der Nationalrat im Grundsatz für vertrauliche Preismodelle für hochpreisige Medikamente aus. Ein Minderheitsantrag hatte die Aufhebung von Art. 52 c gefordert, welche eine Einschränkung des Öffentlichkeitsprinzips vorsieht. Dieser Antrag wurde allerdings mit 110 gegen 78 Stimmen abgelehnt. Einen Kompromiss gab es aber: Eine unabhängige Stelle soll öffentlich über die Umsetzung der vertraulichen Preismodelle Bericht erstatten, um deren Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, während einzelne Rückerstattungen vertraulich bleiben können. Das Geschäft geht nun an den Ständerat.

Workshop in Zug: Recherchen zu Kryptowährungen und Briefkastenfirmen

Einst als Krypto-«King» gepriesen, tauchen gegen Jungunternehmer Dadvan Yousuf immer mehr Ungereimtheiten auf. Am Workshop in Zug erzählt Stefanie Pauli von SRF Investigativ über ihre Recherche zum «King», wie sie vorgegangen ist und welche Hürden sie meistern musste. Ergänzt wird der Anlass mit einem Austausch über Quellen für die Recherche rund um Kryptowährungen, Briefkastenfirmen und Rohstoffhändler.

Datum: Donnerstag, 14. September 2023

Zeit: von 18 bis 19:30 Uhr, inkl. Apéro

Ort: in Zug im Freiruum, Saal Living Room (Zählerweg 5, 6300 Zug), 5min zu Fuss vom Bahnhof Zug

Anmeldung: kostenlos, aber obligatorisch mittels untenstehendem Formular (beschränkte Platzzahl!)

Anmeldung Workshop in Zug
Start Over

Wir suchen KandidatInnen für den Goldenen Bremsklotz 2023

Es ist wieder so weit: Wir suchen Kandidatinnen und Kandidaten für unseren Goldenen Bremsklotz! Der Schmähpreis, den das Recherchenetzwerk investigativ.ch seit 2014 verleiht, zeichnet die grössten Informationsverhinderer aus. Ihr kennt es aus eurem Alltag: Pressestellen, PR-Berater und Behörden finden regelmässig einen Grund, warum es gerade nicht möglich sei zu informieren. Meist sind die Absagen freundlich. Manchmal wird schamlos gelogen. Und gelegentlich wird es total absurd. Dann folgt der Hinweis, dass die Bearbeitung dieses Einsichtsgesuches eine Gebührenrechnung von über 100’000 Franken zur Folge hätte. Reicht jetzt eure besten Kandidatinnen und Kandidaten ein – ein Mail mit einer kurzen Begründung an kontakt(at)investigativ.ch genügt.

Der Vorstand stellt daraus eine Shortlist zusammen, über welche ihr abstimmen könnt.

Im Herbst findet die Verleihung inkl. Podiumsdiskussion zum entsprechenden Thema sowie anschliessendem Apéro statt. Die Veranstaltung ist selbstverständlich kostenlos und soll auch unser Netzwerk stärken sowie Licht auf Hindernisse in unserem Arbeitsalltag werfen.

Wir freuen uns auf eure Nominationen!

Rückblick auf die Jahreskonferenz 2023

Spannende Diskussionen, lehrreiche Workshops und ein Austausch über die Redaktionsgrenzen hinweg: Am Freitag 9. Juni 2023 fand in Bern die grosse Jahreskonferenz von investigativ.ch statt. Dieses Jahr widmete sich das Recherche-Netzwerk dem Journalismus in politisch brisanten Zeiten.

Fotos: Ⓒ Raphael Hünerfauth

2023 ist das Jahr der eidgenössischen Wahlen. Deshalb widmete das Recherche-Netzwerk investigativ.ch ihre diesjährige Jahreskonferenz dem Politjournalismus: Wie recherchieren Journalistinnen und Journalistinnen rund um Parlamente und Behörden? Wie schauen sie Politikerinnen und Politikern auf die Finger? Wie können sie eigene Akzente setzen und auch mit beschränkten Mitteln Scoops erzielen?

Trotz heissem Sommerwetter fanden sich rund 50 Gäste aus allen Ecken der Schweiz und den unterschiedlichsten Redaktionen zu diesem Anlass in Bern ein. „Wir sind hocherfreut zu sehen, dass in diesem Land so viele engagierte Recherchejournalisten und -journalistinnen daran arbeiten, Missstände aufzudecken“, so Co-Präsident Marc Meschenmoser.

Die aktuellen Themen Pandemie, Krieg, Inflation beschäftigen die Journalistinnen und Journalisten: „Wir leben in einer politisch brisanten Zeit. Jetzt ist guter Journalismus umso wichtiger, um der Politik auf die Finger zu schauen“, sagte SRF Rundschau-Moderatorin Franziska Ramser in ihrer Keynote.

In den anschliessenden Workshops erhielten die Teilnehmenden wertvolle Praxis-Tipps und Inputs zu Recherchemethoden. So erklärte etwa Martine Clerc von der RTS, wie sie die Steuer-Affäre von Valérie Dittli, der bis zu ihrer Wahl in Zug wohnhaften Waadtländer Regierungsrätin, aufgedeckt hatte – ein wichtiges Beispiel dafür, dass Medienschaffende das politische Personal genauer anschauen müssen.

Worauf es im lokalen Journalismus ankommt, zeigte der SRF-Bundeshausredaktor Matieu Klee, der mit seinen Recherchen für das «Regionaljournal Basel-Baselland» immer wieder über die Region hinaus für Aufsehen gesorgt hat.

Raphael Rohner vom St. Galler Tagblatt erklärte, wie er den HSG-Plagiatsskandal aufgedeckt hatte, der landesweit Schlagzeilen machte.

Ebenfalls spannend war auch das Panel mit zwei Kennerinnen der Schweizer Politszene: Sermîn Faki und Nicole Lamon zeigten auf, wer in Bundesbern die Fäden zieht – und wie Medienschaffende dazu recherchieren. Sermîn Faki ist Blick-Politikchefin und langjährige Bundeshausjournalistin, Nicole Lamon war früher ebenfalls Politjournalistin, wechselte ins Bundeshaus als Kommunikationschefin von Bundesrat Alain Berset und kehrte in den Journalismus zurück. Seit Anfang Juni ist sie Ressortleitein Schweiz bei Le Temps.

Abgerundet wurde der Anlass durch ein Networking-Apéro – und einen Überraschungsgast: Der Karikaturist Silvan Wegmann, bekannt als Swen, zeigte auf, wie Journalismus und Pressezeichnung voneinander profitieren. Und dass Satire gerade in politisch schwierigen Zeiten eine wichtige Funktion übernimmt.

Eva Hirschi, Geschäftsführerin von investigativ.ch, freut sich über das grosse Interesse an der Jahreskonferenz: „Wir stellen immer wieder fest, wie sehr der Austausch über die Redaktionsgrenzen hinweg geschätzt wird und freuen uns, wie gross die Bereitschaft ist, Wissen weiterzuvermitteln, so dass wir alle voneinander lernen können.“

Einladung zu unserer Jahreskonferenz 2023

Reden ist Silber. Recherchieren ist Gold. Journalismus in politisch brisanten Zeiten.

2023 ist das Jahr der eidgenössischen Wahlen. Deshalb widmen wir unsere Jahrestagung dem Politjournalismus: Wie recherchieren Journalistinnen und Journalistinnen rund um Parlamente und Behörden? Wie schauen sie Politikerinnen und Politikern auf die Finger? Und wie können sie eigene Akzente setzen und – auch mit beschränkten Mitteln – Scoops erzielen?

In Bern wartet ein Programm mit hochkarätigen Gästen, Workshops, Diskussionen und einem Networking-Apéro auf euch. Dabei sind: Franziska Ramser (Keynote), Nicole Lamon und Sermîn Faki (Bundeshausjournalismus), Martine Clerc («Fall Dittli»), Raphael Rohner (HSG-Plagiatsskandal) und Matieu Klee (Wie investigativer Lokaljournalismus gelingt).

Datum: Freitag, 9. Juni 2023

Ort: Saal «Kleine Bühne» im PROGR in Bern (6min vom Bahnhof; Waisenhausplatz 30, 3011 Bern)

Zeit: Mitgliederversammlung ab 13:15 Uhr, Jahreskonferenz von 14:15 Uhr bis 17:00 Uhr, anschliessend Apéro.

PROGRAMM

13h15Mitgliederversammlung (ausschliesslich für Mitglieder)
14h00Eintreffen
14h15Keynote von Franziska Ramser (SRF Rundschau)
Von Indiskretionen, Spindoctors und der Kraft der Geschäftsdatenbank: SRF Rundschau-Moderatorin Franziska Ramser über Tricks und Fallen in der Polit-Recherche – und warum es sie gerade im Wahljahr dringend braucht.
15h00-15h45Workshops:

– Kleine BühneDie Affäre Dittli: Martine Clerc (RTS) auf Französisch
Die Affäre Valérie Dittli war eine der grossen politischen Enthüllungen des letzten Jahres. Und ein hervorragendes Beispiel dafür, dass wir Medienschaffende das politische Personal genauer anschauen müssen. Eine der RTS-Journalistinnen, die diese Affäre aufgedeckt hat, erzählt, wie sie bei ihrer Recherche vorgegangen ist. Moderation: Eva Hirschi

– StubeWie investigativer Lokaljournalismus gelingt: Matieu Klee (SRF) auf Deutsch
Die Recherchen von Matieu Klee für das «Regionaljournal Basel-Baselland» haben immer wieder über die Region hinaus für Aufsehen gesorgt – etwa rund um Missstände bei der Kontrollstelle für Schwarzarbeit. Als «Beobachter»-Redaktor engagierte sich Klee einst dafür, dass das traditionsreiche Magazin den investigativen Journalismus wieder pflegt. Im Workshop zeigt der Bundeshausredaktor, worauf es im lokalen Journalismus drauf ankommt. Moderation: Sven Altermatt
15h45-16h15Kaffeepause
16h15-17h00Workshops:

– Kleine BühneSchweizer Politjournalismus: Sermîn Faki (Blick) und Nicole Lamon (Le Matin Dimanche, zukünftig Le Temps) auf Deutsch und Französisch
Wir diskutieren mit zwei Kennerinnen der Schweizer Politszene. Sermîn Faki und Nicole Lamon zeigen auf, wer in Bundesbern die Fäden zieht – und wie Medienschaffende dazu recherchieren. Sermîn Faki ist Blick-Politikchefin und langjährige Bundeshausjournalistin, Nicole Lamon war früher ebenfalls Politjournalistin, wechselte als EDI-Kommunikationschefin ins Bundeshaus und kehrte in den Journalismus zurück. Zurzeit ist sie stellvertretende Chefredaktorin bei Le Matin Dimanche, ab Juni wechselt sie zu Le Temps als Ressortleitein Schweiz. Moderation: Sven Altermatt und Eva Hirschi

– StubeHSG-Plagiatsskandal: Raphael Rohner (St.Galler Tagblatt) auf Deutsch
Raphael Rohner, Reporter beim St. Galler Tagblatt, deckte den HSG-Plagiatsskandal auf, der landesweit Schlagzeilen machte: An der Universität St. Gallen soll ein Professor und Co-Institutsleiter systematisch abgeschrieben haben. Und nicht nur das: Der Mann soll auch Dutzende Arbeiten seiner Studierenden in seinem Namen publiziert haben. Rohner zeigt auf, wie er dem Mann auf die Spur kam und auf welche Hürden er dabei stiess. Moderation: Fiona Endres
17h00Schlussstrich & Apéro

 ANMELDUNG

Die Anzahl Plätze für die Jahreskonferenz ist beschränkt. Bitte meldet euch rasch an.

Kosten: 25.- für Mitglieder, 50.- für Nicht-Mitglieder (bitte überweisen auf CH51 0900 0000 8506 3384 1).

MV & Jahreskonferenz 2023
Sprache / Langue
Ich nehme teil... / Je participe...
Ich nehme am anschliessenden Apéro (um 17 Uhr) teil. / Je participe à l'apéritif (à 17h).
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Nationaler Aktionsplan für die Sicherheit von Medienschaffenden

Das BAKOM hat mit der Medienbranche einen nationalen Aktionsplan (NAP) zur Sicherheit von Medienschaffenden in der Schweiz erarbeitet. investigativ.ch war daran beteiligt.

Auch in der Schweiz gibt es Drohungen und Gewalt gegen Medienschaffende. Insbesondere im digitalen Raum erfahren viele Medienschaffende Anfeindungen bis hin zu Hassrede. Im Einklang mit einer Resolution des Europarats haben das BAKOM und die Medienbranche am 3. Mai 2023 – dem internationalen Tag der Pressefreiheit – einen Nationalen Aktionsplan für die Sicherheit von Medienschaffenden veröffentlicht.

Ziel des Aktionsplans ist es, das Thema Sicherheit von Medienschaffenden auf die öffentliche Agenda zu setzen, auf die Herausforderungen für Medienschaffende aufmerksam zu machen sowie die Gesellschaft und Politik für die zentrale Bedeutung der Medien für eine funktionierende Demokratie in der Schweiz zu sensibilisieren.

Der Aktionsplan fokussiert auf vier zentrale Anliegen der Medienschaffenden:

  • Bessere Anerkennung der Rolle und des Berufs der Medienschaffenden
  • Besserer Schutz vor Drohungen und Hassrede online 
  • Besserer physischer Schutz
  • Besseres Verständnis über missbräuchlichen Gerichtsklagen gegen Medienschaffende (sog. „Strategic Lawsuits against Public Participation“, SLAPPs)

Mehr Informationen hier.