Der Goldene Bremsklotz

Rote Karte für Informationsverhinderer

Seit 5 Jahren zeichnet das Recherchenetzwerk investigativ.ch die grössten Informationsverhinderer mit dem Schmähpreis Goldener Bremsklotz aus.

Wer in der Schweiz kritische Geschichten recherchiert, weiss was es heisst anzurennen und aufzulaufen. Pressestellen, PR-Berater und Behörden finden regelmässig einen Grund, warum es gerade nicht möglich sei zu informieren. Meist sind die Absagen freundlich. Manchmal wird schamlos gelogen. Und gelegentlich wird es total absurd: «Wir helfen ihnen ja gerne. Aber….». Dann folgt der Hinweis, dass die Bearbeitung dieses Einsichtsgesuches eine Gebührenrechnung von über 100 000 Franken zur Folge hätte.

2016 erhielt die damalige Nationalratspräsidentin Christa Markwalder den Goldenen Bremsklotz.

Den Spiess umdrehen

Meist bleibt dem Journalisten nach einer solchen Antwort nur der Frust, die Faust im Sack oder der Gang vor Gericht. Das will das Schweizer Recherchenetzwerk investigativ.ch ändern. Deshalb haben wir vor fünf Jahren den Schmähpreis für Informationsverhinderung, den Goldenen Bremsklotz ins Leben gerufen. Seit fünf Jahren rufen wir die Schweizer Journalistinnen und Journalisten auf, uns Fälle zu melden Das grosse Echo zeigt, dass es diesen Preis tatsächlich braucht.

Die Verwaltung spielt auf Zeit

Viele Fälle sind einigermassen unspektakulär. Die Verwaltung spielt auf Zeit. Hofft, dass Anfragen schlicht und einfach versanden, wenn man sie ablehnt. Dann gibt es auch Fälle, die herausstechen, weil sie besonders dreist sind. Zum Beispiel die Wirtschaftskammer Baselland, die kritische Journalisten persönlich angriff und diffamierte. Oder das Bundesamt für Landwirtschaft, das dem „Beobachter“ für eine Anfrage Gebühren von 275 000 Franken in Aussicht stellte. Dafür hat das Amt 2014 den allerersten Goldenen Bremsklotz erhalten.

Auch ein politischer Kampf

Der Goldene Bremsklotz soll nicht einfach Einzelfälle anprangern. Es geht Investigatv.ch auch darum, für gute politische Rahmenbedingungen zu kämpfen. So ging der Bremsklotz 2018 an SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor. Er wollte mittels einem parlamentarischen Vorstoss sämtliche Strafbefehle zur Geheimsache erklären. Er hätte damit einen grossen Teil der Schweizer Justiz der öffentlichen Kontrolle entzogen.

Debatten lancieren

Dem Vorstand von investigativ.ch ist wichtig, mit dem Bremsklotz Recherchehindernisse und ihre Folgen aufzuzeigen. Zwei der fünf bisherigen Preisträger haben ihren Bremsklotz an der Generalversammlung von investigativ.ch persönlich entgegengenommen und sich den kritischen Fragen gestellt. Genau das will das Recherche-Netzwerk mit dem Preis erreichen: Informationsverhinderung zum Gegenstand der Debatte machen.

Goldener Bremsklotz 2019

Jørgen Bodum hat eine Journalistin wegen Hausfriedensbruch verzeigt. Sie betrat für eine Reportage seine besetzte Villa in Luzern.

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Goldener Bremsklotz 2018

Der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor wollte alle Strafbefehle und Einstellungsverfügungen für geheim erklären.

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Goldener Bremsklotz 2017

Das Bundesstrafgericht hat einen Journalisten verurteilt, weil er auf Mängel beim E-Voting aufmerksam machte und zweimal abstimmte.

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Goldener Bremsklotz 2016

Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (FDP) versuchte über die Chefetage, kritische Artikel zu verhindern.

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Goldener Bremsklotz 2015

Der PR-Berater Sacha Wigdorovits hat die Öffentlichkeit im Fall Geri Müller über seine Rolle mehrmals belogen.

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Goldener Bremsklotz 2014

Das Bundesamt für Landwirtschaft forderte von einem Journalisten die Rekordsumme von 275.000 Franken für die Bearbeitung einer Anfrage.

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