DIE JAHRESTAGUNG 2026
Recherchieren im Ausnahmezustand
Krisen und Katastrophen stellen den Journalismus vor besondere Herausforderungen. Wie lässt sich unter Zeit- und Konkurrenzdruck verlässlich recherchieren? Welche Methoden helfen, Fakten zu überprüfen, wenn der Zugang zu Informationen eingeschränkt ist? Wie arbeitet man sicher und verantwortungsvoll in Ausnahmesituationen? Diesen Fragen widmen wir uns an der diesjährigen Jahreskonferenz von investigativ.ch.
An der Podiumsdiskussion sprechen wir mit Ludovic Rocchi (RTS), Julien Wicky (Le Nouvelliste), Maxime Brandstaetter (BFM TV), Leo Eiholzer (NZZ am Sonntag) und Susan Boos (Presserat) über die Berichterstattung zur Brandkatastrophe in Crans-Montana und analysieren gemeinsam, welche Lehren sich aus der medialen Aufarbeitung ziehen lassen.
In praxisnahen Workshops vertiefen wir zentrale Recherchemethoden: über Recherchen zu Crans-Montana mit Fabiano Citroni und Ludovic Rocchi von der RTS bis hin zu OSINT-Techniken bei den Epstein-Files mit Forrest Rogers und Eike Hoppmann von der NZZ und dem Umgang mit Anwältinnen und Anwälten als Quellen und Einflüsterer mit Matthias Seemann und Patrick Krauskopf.
Ein besonderes Highlight: Die ehemalige Korrespondentin von Al Jazeera, Youmna El Sayed, berichtet aus erster Hand über ihre Arbeit in Gaza und gibt Einblicke in den journalistischen Alltag im Kriegsgebiet – zwischen Risiko, Verantwortung und der Suche nach Wahrheit.
Wir widmen uns aber nicht nur schweren Themen: Dennis Winter, aktuell temporär bei SRF, erzählt uns, was der neue Investigativjournalismus braucht, um junge Leute zu begeistern.
Datum: Freitag, 1. Mai 2026
Zeit: Mitgliederversammlung ab 13:15 Uhr, Jahreskonferenz von 14:15 Uhr bis 18:00 Uhr, anschliessend Apéro.
Ort: Bern. Der genaue Ort wird erst nach der Anmeldung bekannt gegeben.
Anmeldung: mittels Anmeldeformular weiter unten.
PROGRAMM
| 13h15 | Mitgliederversammlung (ausschliesslich für Mitglieder) |
| 14h00 | Eintreffen |
| 14h15 | Keynote von Dennis Winter auf Deutsch Wie muss der Investigativjournalismus aussehen, um junge Menschen zu begeistern? |
| 14h45-15h45 | Podiumsdiskussion auf Deutsch und Französisch Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat international für Schlagzeilen gesorgt und die Schweiz plötzlich ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Wie berichtet man über eine Katastrophe, wenn Faktenlage, Zeitstress und öffentlicher Druck gleichzeitig eskalieren? Ludovic Rocchi (RTS), Julien Wicky (Le Nouvelliste), Maxime Brandstaetter (BFM TV), Leo Eiholzer (NZZ am Sonntag) und Susan Boos (Presserat) diskutieren, wie Medien in Ausnahmesituationen arbeiten – und wo Fehler, Grenzen und Lehren liegen. Im Fokus stehen Tempo, Verifikation, Verantwortung. Aber auch die Frage, was guter Journalismus im Krisenmodus leisten kann. Moderation: Anielle Peterhans und Eva Hirschi |
| 15h45-16h00 | Kaffeepause |
| 16h00-16h45 | Workshops: – Saal 1: Recherchieren in den Epstein-Files auf Deutsch Millionen von Dokumenten, internationale Verflechtungen und Spuren, die bis in die Schweiz führen: Die Epstein-Files stellen Journalist:innen vor eine zentrale Frage – wie findet man in dieser Datenflut die entscheidenden Hinweise? Die NZZ-Journalisten Forrest Rogers und Eike Hoppmann berichten aus erster Hand, wie sie sich durch komplexe Datensätze gearbeitet, relevante Verbindungen identifiziert und ihre Recherche aufgebaut haben – und welche Tools dabei unverzichtbar waren. Moderation: Pasquale Ferrara – Saal 2: Recherchieren in Crans-Montana auf Französisch Wie recherchiert man bei einer Katastrophe? Fabiano Citroni und Ludovic Rocchi vom RTS-Investigativdesk geben einen Überblick über die verschiedenen Phasen und angewendeten Methoden – von den ersten Tagen nach dem Unglück über den Umgang mit der internationalen Konkurrenz bis hin zur Begleitung des Gerichtsverfahrens. Und sie ziehen eine erste Bilanz darüber, was funktioniert und welche Probleme aufgetreten sind. Moderation: Dominique Botti |
| 17h00- 17h45 | Workshops: – Saal 1: Kriegsberichterstattung aus Gaza auf Englisch Die mit mehreren Preisen ausgezeichnete ägyptisch-palästinensische Journalistin Youmna El Sayed gibt in diesem Werkstattgespräch Einblicke in die Arbeit als Reporterin in einem Kriegsgebiet. Aus Gaza-Stadt arbeitete sie für verschiedene englischsprachige Medien wie CNA, Associated Press, TRT World und RT, bevor sie Gaza-Korrespondentin für Al Jazeera English wurde. Ende 2023, nachdem sie Morddrohungen erhalten hatte und das Haus ihrer Familie bombardiert worden war, waren sie und ihre Familie zur Flucht gezwungen und leben seitdem in Ägypten. In dieser Diskussion erläutert El Sayed die Herausforderungen der Berichterstattung aus einem Kriegsgebiet und warum sie der internationalen Berichterstattung über Gaza kritisch gegenübersteht. Moderation: Laura Drompt – Saal 2: Wie umgehen mit Anwaltsquellen? auf Deutsch Leaks, strategisch platzierte Akten und gezielte Indiskretionen: Immer wieder gelangen vertrauliche Dokumente aus laufenden Verfahren an die Öffentlichkeit – nicht selten über Anwältinnen und Anwälte mit klaren Interessen. Doch wann wird Journalismus zum Teil einer Strategie? Wo beginnt die Instrumentalisierung? Und wie lassen sich Vorverurteilung und Diffamierung vermeiden, wenn nur ein Ausschnitt der Realität sichtbar ist? Die Rechtsanwälte Matthias Seemann (Rechtsdienst Tamedia und 20 Minuten) und Patrick Krauskopf (Experte für Litigation-PR) beleuchten diese Fragen anhand konkreter Beispiele – von Crans-Montana bis hin zu internationalen Wirtschaftsfällen und politisch brisanten Recherchen. Moderation: Doris Kleck |
| 18h00 | Apéro |
ANMELDUNG
Die Anzahl Plätze für die Jahreskonferenz ist beschränkt. Bitte meldet euch rasch an.
Kosten: 25.- für Mitglieder, 50.- für Nicht-Mitglieder (bitte überweisen auf CH51 0900 0000 8506 3384 1). Jetzt Mitglied werden.
