Das Recherche-Netzwerk investigativ.ch und das Online-Magazin Republik organisieren gemeinsam die erste Swiss Tech Journalism Conference. Dieser zweisprachige (d/f) Anlass richtet sich an alle interessierten Medienschaffenden der Schweiz – von Grünschnäbeln bis hin zu Tech-Cracks.

Längst ist Techjournalismus kein Nischenthema mehr. Weil die Digitalisierung sich durch alle Lebensbereiche von Gesellschaft und Staat durchzieht, gäbe es theoretisch jeden Tag Hunderte von Geschichten zu erzählen: von Datenlecks, Sicherheitslücken, Datenschutzverstössen, dark patterns, Überwachungspraktiken etc. Immer mehr digitalpolitische Sachgeschäfte dominieren auch die Agenda in Bundesbern. Für einen aufgeklärten Diskurs ist nicht nur die Übersetzungsleistung durch JournalistInnen wichtig, sondern auch das Aufdecken und Enthüllen von Missständen und kritischen Seiten der Digitalisierung. Dabei ist relevant, dass Technik stets ein Resultat von Politik, menschlichen Entscheidungen und Alternativen ist – dies gilt es sichtbar zu machen.

Datum: Freitag, 11. November 2022

Ort: Polit-Forum Bern / Käfigturm

Zeit: 13 bis 17 Uhr, anschliessend Apéro

Anmeldung: kostenlos, Anmeldung obligatorisch.

Moderation: Timo Grossenbacher (Tamedia/investigativ.ch)

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Programm

13h00Eintreffen
13h15-13h45Einführung mit Adrienne Fichter und Patrick Seemann (Republik/Blog Das Netz Ist Politisch)
Elektronisches Impfbüchlein, eID, eVoting, CovidApp – fast immer sind Tech-Geschichten auch politische Stories. Die JournalistInnen Patrick Seemann und Adrienne Fichter haben unterschiedliche Backgrounds (Informatik und Politikwissenschaft) und erzählen, wie sie bei ihren Recherchen vorgehen, mit welchen Widerständen sie kämpfen müssen und wie oft sie beim Schreiben über Begrifflichkeiten streiten.
13h45-14h30Werkstattgespräch mit Eva Wolfangel, freie Tech-Journalistin aus Deutschland
Im Zuge der Pandemie wurden zahlreiche Digitalisierungsprojekte von heute auf morgen aus dem Boden gestampft. Eines der schlechten Beispiele ist die Luca-App in Deutschland, die Gesundheitsbehörden für das Contact Tracing in der Gastronomie und Kultur einsetzen. Eva Wolfangel hat in einer Artikelserie Sicherheitslücken, Kommunikationstücken und fragwürdig Geschäftspraktiken der MacherInnen hinter der Luca-App aufgedeckt, sie wurde dafür mit dem surveillance studies-Preis 2022 ausgezeichnet. Im Werkstattgespräch erzählt sie, wie sie vorgegangen ist und weshalb sich Dranbleiben lohnt.
14h30-15h15Werkstattgespräch mit Mehdi Atmani, freier Investigativ-Journalist aus Lausanne
Als weltweite Enklave der Diplomatie, Rolls Royce der Wirtschaft und (ehemaliges) Steuerparadies hat die Schweiz ihren Ruf auf einem subtilen Doppelspiel zwischen Geheimhaltung und Offenheit aufgebaut. Als Spionagenest hat sie es immer verstanden, den internationalen Geheimdienstlern die diskreteste aller Deckungen zu bieten. Um diese Idylle aufrechtzuerhalten, zögerte sie nie, ihre Neutralität je nach ihren politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen aufzugeben. Doch je mehr Skandale ans Licht kommen, desto mehr bröckelt der Lack. Mehdi Atmani beleuchtet die Hintergründe und Grenzen seiner Ermittlungen über die leidenschaftlichen Affären der Schweiz mit dem internationalen Nachrichtendienst.
15h15-15h30Kaffeepause
15h30-15h50Q&A mit Jens Kaessner, BAKOM
Jens Kaessner ist stellvertretender Leiter Telecomrecht beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und kennt die Hintergründe von Digitalisierung, IT und Gesellschaft. Im Q & A mit Adrienne Fichter redet er darüber, wie die IT unsere Gesellschaft verändert und wo JournalistInnen unbedingt genauer kritisch hinschauen müssen.
15h50-16h45Keynote Hakan Tanriverdi, Bayerischer Rundfunk
Wenn Hacker Unternehmen oder Regierungen ausspionieren, dann hinterlassen sie fast immer auch digitale Spuren. Sei es in der Spionage-Software, in Pishing-Mails oder Severn, die die Hacker mieren. In diesem Vortrag zeigt Hakan Tanriverdi, wie es anhand solcher Daten gelingen kann, die Angreifer zu enttarnen – bis hin zu ihrem Namen und ihrer Wohnadresse.
16h45Abschluss und Networking-Apéro

Sponsoren

Herzlichen Dank an die Gottlieb und Hans Vogt Stiftung für die finanzielle Unterstützung!