Goldener Bremsklotz 2025
Der Goldene Bremsklotz 2025 geht an das Verteidigungsdepartement
Weil das Verteidigungsdepartement (VBS) externe Juristen engagierte, um gegen Medienanfragen vorzugehen, verleiht das Recherche-Netzwerk investigativ.ch dem VBS den Goldenen Bremsklotz 2025.
Die Mitglieder von investigativ.ch haben gewählt: Das Verteidigungsdepartement (VBS) ist der grösse Informationsverhinderer des Jahres 2025 und erhält den Goldenen Bremsklotz. Das VBS setzte im vergangenen Jahr gleich mit verschiedenen Aktionen für Unmut unter Medienschaffenden.
Besonders störend war der Umstand, dass das VBS innerhalb von zwei Jahren rund 175’000 Franken Steuergelder für externe Rechtsberatung ausgegeben hatte – einzig, um sich gegen Auskunftsbegehren von Medienschaffenden zu wappnen, die sich auf das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) beriefen.
Anstatt die verlangten Unterlagen offenzulegen, engagierte das Departement eine Zürcher Kanzlei, um juristisch gegen die Veröffentlichung zu argumentieren. «Dies zeigt, dass der Schritt von Geheimhaltung zu Transparenz noch nicht geschehen ist», sagt Anielle Peterhans, Vorstandsmitglied von investigativ.ch und Journalistin beim Recherchedesk von Tamedia.
«Gesuche mittels Öffentlichkeitsgesetzes sollen Transparenz fördern – doch offenbar empfand das VBS dies als Angriff und versuchte sie zu blockieren, statt nach einem möglichen Weg zu suchen, um zumindest gewisse Informationen transparent machen zu können», so Peterhans.
Ebenfalls kritisiert wird von Journalistinnen und Journalisten ein zunehmend problematischer Umgang mit der Kommunikation: Das VBS veröffentlicht auf seiner Website «Richtigstellungen» zu kritischen Artikeln, die jedoch keine sind, sondern Verteidigungsschriften in eigener Sache. Selbst wenn Fakten nachweislich falsch dargestellt werden, löscht das Departement entsprechende Passagen oder weigert sich, Fehler einzuräumen – wie im Fall der angeblichen Fixpreise für den Kampfjet F-35.
Der Kommunikationschef des VBS, Renato Kalbermatten, nahm den Goldenen Bremsklotz entgegen. Bei sensitiven Themen wie dem F-35 habe man eine gute Lösung mit den Vertragspartnern suchen müssen: «Aus diesem Grund konnten wir die Informationen nicht einfach so öffentlich machen, wie das vielleicht die Medien gerne gehabt hätten.» Doch Kalbermatten sieht den Preis auch als Ansporn: «Selbstverständlich müssen wir uns immer verbessern und hinterfragen – und das machen wir auch.»
investigativ.ch macht Informationsverhinderung zur Debatte
Seit 2014 verleiht das Recherche-Netzwerk investigativer Journalistinnen und Journalisten jedes Jahr einen Goldenen Bremsklotz als Schmähpreis an die grössten Informationsverhinderer. Mit dem Preis will investigativ.ch auf Informationsverhinderung hinweisen und zum Gegenstand der Debatte machen. Auch dieses Jahr hatte der Vorstand von investigativ.ch aus zahlreichen Vorschlägen vier Spitzenkandidaten ausgewählt. Auf die Shortlist geschafft haben es neben dem VBS auch der Verpackungskonzern Amcor, das Heilmittelinstitut Swissmedic und der Unternehmer Stéphane Barbier-Mueller (detaillierte Nominierungen und Stellungnahmen auf der Website). Die Mitglieder von investigativ.ch konnten anschliessend abstimmen, wer den Goldenen Bremsklotz 2025 verdient hatte.
Bisher erhalten haben die Auszeichnung unter anderem der damalige FDP-Präsident Thierry Burkart und der damalige Ständerat Alex Kuprecht (2024), die Finanzministerin Karin Keller-Sutter (2023), die damalige Direktorin des Bundesamts für Gesundheit Anne Lévy (2022), der Industrielle Jørgen Bodum (2019), die damalige Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (2016), das Bundesamt für Landwirtschaft (2014) und viele mehr.
Das Recherche-Netzwerk investigativ.ch wurde 2010 gegründet und setzt sich für bessere Recherchebedingungen ein, fördert investigativen Lokaljournalismus durch finanzielle Unterstützung mittels eines Recherche-Fonds und organisiert regelmässig Veranstaltungen, Schulungen und Konferenzen zu praxisnahen Themen.