Studie: Investigative Medienschaffende besonders bedroht

Wer investigativen Journalismus macht, steht auf dem «Gefährungsmonitor Journalismus Schweiz» ganz oben. Die ZHAW hat die Sicherheit der Schweizer Medienschaffenden in einer repräsentativen Studie untersucht.

Text: Céline Graf

Investigative Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz sind im Vergleich zu anderen Berufskolleginnen und -kollegen am stärksten mit Hassrede, rechtlichen Androhungen oder Klagen und digitalen Angriffen (z.B. Hacking) konfrontiert. Das zeigt der «Gefährdungsmonitor Journalismus Schweiz», der am 17. November veröffentlicht worden ist.

Die repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat über 1700 Medienschaffende in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu verbalen und körperlichen Bedrohungen und Belästigung, rechtlichen Androhungen und Angriffen, psychischer Belastung und Coping-Strategien befragt. Mit 300 Personen folgte eine zweite, vertiefte Erhebung.

«Wir müssen besorgt sein»

Hassrede oder Beleidigungen erlebten demnach im Jahr 2024 sechs von zehn Medienschaffende, angedrohte oder tatsächliche rechtliche Schritte vier von zehn. Signifikant gefährdeter sind dabei investigative Journalistinnen und Journalisten. Darunter fasst die Studie jene, die häufig mit investigativen Methoden arbeiten, mit dem Öffentlichkeitsgesetz Informationen beschaffen, an Cross-Border-Recherchen beteiligt sind sowie verdeckte Recherchen oder aufwändige Faktenchecks machen.

Eine Erklärung hierfür ist im Rollenbild von Investigativjournalistinnen und -journalisten als «Watchdogs» zu finden: Wer mit seiner Arbeit «die Mächtigen kontrollieren, Missstände beleuchten und Desinformation entgegenwirken» will, wird laut den Forschenden eher bedroht oder rechtlich angegriffen.

Studienleiter Vinzenz Wyss, Medienprofessor an der ZHAW, sagte an der Medienkonferenz, wenn gerade die investigative Recherche, diese «für das Funktionieren der Demokratie unverzichtbare journalistische Leistung» speziell unter Druck gerate, «müssen wir besorgt sein».

Negative Folgen von Bedrohungen und Angriffen

Auf der persönlichen Ebene berichten alle Studienteilnehmenden von negativen Folgen der Bedrohungen und Angriffe für ihr Wohlbefinden und Stresserleben. Investigativ Recherchierende zählen auch da zur Berufsgruppe mit erhöhtem Burnout-Risiko.

Das Bundesamt für Kommunikation hat das Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW mit der Studie beauftragt. Der «Gefährdungsmonitor Journalismus Schweiz» unterstützt laut der Forschungsgruppe das Ziel des nationalen BAKOM-Aktionsplans zur Sicherheit von Medienschaffenden in der Schweiz, «die gesellschaftliche Anerkennung des Berufs der Medienschaffenden zu fördern und die Bedeutung der Medien für eine funktionierende Demokratie aufzuzeigen».


Wyss, Schäfer und Wyss (2025). Gefährdungsmonitor Journalismus Schweiz: empirische Befunde zur wahrgenommenen Sicherheitssituation und zu Copingstrategien von Medienschaffenden. Studie der ZHAW im Auftrag des BAKOM. DOI: 10.21256/zhaw-2571