Die Nominierten für den Corona-Sonderbremsklotz 2020

Daniel Koch

Mr. Corona hat in der Maskenfrage und bei seinem Wechsel ins Beraterbusiness höchst intransparent kommuniziert

Mr. Corona hat in der Maskenfrage zwar nicht gelogen. Aber er hat auch nicht die ganze Wahrheit gesagt. Er hat in der Anfangsphase der Pandemie den Nutzen der knappen Hygienemasken ganz offensichtlich systematisch und bewusst «kleingeredet». Damit hat Daniel Koch sogar dem Pandemieplan seines eigenen Amtes widersprochen: Dort steht, dass Masken das «allgemeine Infektionsrisiko» senken. Eine transparente Kommunikationsstrategie geht anders. Höchst intransparent war auch Kochs Wechsel vom Chefbeamtensessel zum Unternehmer. Schon auf dem Höhepunkt der Pandemie liess Daniel Koch die Webadresse Danielkoch-consulting.ch registrieren. Einen Monat später trat Koch – damals noch als Chefbeamter – im Fernsehen auf und riet dem Bundesrat, Sportveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern möglichst bald wieder zu erlauben. Zwei Wochen später gab Eishockeyclub SC Bern bekannt, Koch als Berater engagiert zu haben. Daniel Koch hat sich bei seinem übergangslosen Wechsel ins Beraterbusiness intransparent verhalten.

Das Bundesamt für Gesundheit

Das Bundesamt für Gesundheit schafft es bis heute nicht, maschinenlesbare Daten zeitnah zu veröffentlichen.

Dank Corona wurde auch dem Hinterletzten klar, wie wichtig gute Daten für die Bekämpfung einer Krise sind. Selten zuvor war das Interesse der Bevölkerung an aktuellen und fein aufgegliederten Zahlen so hoch. Nicht zuletzt auch für Journalistinnen und Journalisten, die für ihre Visualisierungen und Ticker auf stetig aktualisierte Zahlen angewiesen waren. Und hier hat das BAG fundamental versagt: Bis heute hat es die federführende Behörde nicht geschafft, maschinenlesbare, zuverlässig aktualisierte und gleichzeitig gut dokumentierte Datensätze zu veröffentlichen. Auf der Klimax der ersten Welle wurden die Daten noch in schlecht verarbeitbaren PDFs veröffentlicht, irgendwann schaltete das Amt dann auf Excel-Dateien um, deren Format es aber ständig wieder änderte. Digitalisierung sieht anders aus. Zahlreiche Appelle aus Journalismus und Wissenschaft verliefen im Sand und externe Hilfsangebote stiessen auf taube Ohren. Das ist nichts anderes als Informationsverhinderung – ob gewollt oder nicht.

Die Eidgenössische Zollverwaltung

Die Eidgenössische Zollverwaltung hat Bussen ohne Rechtsgrundlage verhängt und weigert sich das entscheidende Dokument herauszurücken

Hurra! Hat sich wohl die eidgenössische Zollverwaltung gesagt, als der Bundesrat im April die Grenze schloss. Endlich wieder ran an die Arbeit! Und sie machte sich etwas gar eifrig ans Werk. Eigenständig entschied sie, auch Schweizerinnen und Schweizern die Besuche über die Grenze zu verbieten – und verteilte Bussen an sie. Dabei berief sich die Behörde auf die bundesrätliche Covid-Verordnung. Diese lieferte aber keine rechtliche Grundlage für einen solch schwerwiegenden Eingriff in die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger. Die Bussen seien illegal, monierten deshalb namhafte Rechtsgelehrte. Das bestreitet die EZB bis heute – gleichzeitig weigert sich die Zollverwaltung hartnäckig den entscheidenden Dienstbefehl an die Grenzwache öffentlich zu machen, mit dem Argument, er enthalte sicherheitsrelevante Informationen. Das überzeugte den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten EDÖB aber nicht. Er empfahl in einem Schlichtungsverfahren der Zollverwaltung, das Dokument herauszugeben. Sie stellt sich weiterhin auf stur. Der Dienstbefehl an die Grenzwache war aber die Basis für die umstrittenen Bussen. Damit beisst sich die Katze in den Sack. Die Zollverwaltung macht es unmöglich, ihre Arbeit zu kontrollieren.

Das SECO

Das SECO weigert sich hartnäckig offenzulegen, welche Branchen von den Corona-Milliarden profitieren   

Es geht um eine unglaublich grosse Summe Geld: Schweizer Banken haben Corona-Kredite in der Höhe von rund 17 Milliarden Franken ausbezahlt. Dafür bürgt fast vollumfänglich der Bund. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wollte wissen, ob diese gigantischen Summen auch an Branchen fliessen, die klimaschädlich sind. Und verlangte deshalb Einsicht in die Daten der Corona-Kredite. Das SECO mauerte: Es habe diese Daten gar nicht. Diese Daten würden von den Bürgschaftsorganisationen verwaltet und diese seien nicht dem Öffentlichkeitsgesetz unterstellt, so das SECO. Diese Argumentation sei «Nicht überzeugend» fand der Öffentlichkeitsbeauftrage des Bundes, Adrian Lobsiger. Das Amt solle die Daten offenlegen. Das SECO wiederum zeigte sich damit «nicht einverstanden». Mittlerweile musste die Behörde sogar einräumen, dass es die umstrittenen Daten sehr wohl selber auch hat – um Missbräuche zu bekämpfen. Aber nun meinte das SECO, die Anfrage widerspreche dem Bankgeheimnis. Besonders absurd: Auf der eigenen Homepage veröffentlicht das SECO unter dem Titel «für die Medien» allerlei Grafiken, die auf den gesperrten Daten beruhen. 

Derzeit läuft die Abstimmung unter den Mitgliedern von investigativ.ch. Am 30.10. wird der Bremsklotz feierlich am investigativ.ch-Jahrestreffen überreicht. Willst Du digital dabei sein? Melde Dich hier an!

Das Jahrestreffen

Es war ein harziges Jahr – auch für Investigativ.ch . Unsere im Mai geplante Konferenz mussten wir virusbedingt abblasen, Workshops wurden trotz dem heissen Sommer aufs Eis gelegt. 

Doch ganz vermiesen lassen wir uns dieses Jahr nicht. Es freut uns sehr, dass wir nun doch noch ein Jahrestreffen veranstalten können: Am 30.10. in Fribourg. 

Die Veranstaltung wird den Umständen angepasst sein, das heisst wir werden alles streamen. Und weil dieses Jahr so harzig war, heisst das Motto des Jahrestreffens:  «Recherchieren ­– dringender denn je!»

PROGRAMM

Um 14 Uhr startet das Jahrestreffen mit den Resultaten der elektronischen Mitgliederversammlung (wer noch nicht geklickt hat: Hier gehts zu Unterlagen und Abstimmung. Falls Ihr das Passwort aus unserem letzten Mail nicht mehr findet, bitte ein Mail an kontakt@nospam-investigativ.ch).

Um 14.20 Uhr dürfen wir den schwedischen TV-Profi Nils Hanson begrüssen. Sein Thema: «Bulletproofing your Story». In seinem Workshop lernen wir, wie die von ihm entwickelten «line-by-line» Überprüfung funktioniert. Hanson ist Investigativ-Journalist beim Schwedischen Sender SVT und war von 2003 bis 2018 Chefredaktor von «Mission Investigate», eine preisgekrönte Sendung, für die er weiterhin arbeitet. 

 Um 15.40 Uhr folgt eine Podiumsdiskussion zum Thema «Recherchieren in Zeiten von Corona». Zu Gast haben wir Lise Bailat, die als Bundeshauskorrespondentin von 24heures, La Tribune de Genève und Le Matin Dimanche unzählige Corona-Pressebriefings miterlebt hat; Bernhard Odehnal, Recherche-Desk Tamedia und Co-Autor von «Lockdown» ; sowie der freie Journalist Sami Zaïbi, der für Heidi.news monatelang eine Gruppe Verschwörungstheoretiker infiltriert hat. Die Diskussion ist zweisprachig, moderieren wird unser Vorstandsmitglied Ariane Gigon.

Weiter geht es um 16.40 Uhr mit der Verleihung des Goldenen Bremsklotzes 2020– in einer Corona-Spezialausgabe. In den nächsten Tagen folgt ein Mail zur Abstimmung für den Goldenen Corona-Bremsklotz.

 ANMELDUNG

Unser gesamter Jahrestreff wird digital übertragen. Das Team von Unicam,  dem Studierenden-TV der Uni Fribourg wird uns beim Filmen und Streamen aus Fribourg unterstützen. Wer dennoch live dabei sein möchte – mit Abstand, Schutzkonzept und Maske –  kann sich hier anmelden. Die Zahl der Teilnehmenden werden wir  begrenzen.

Wir bitten euch um Anmeldung bis 25.10. , ob ihr vorbeikommt oder digital teilnehmt: Hier findet Ihr das Formular.

Wir freuen uns auf Euch!

Abstimmung/Wahlen 2020

Hier findest Du alle Unterlagen zur Hauptversammlung. Um an Wahl und Abstimmung teilzunehmen, musst Du Dich nach einem Klick auf den Link zuoberst mit dem Passwort einloggen, das Du per Mail erhalten hast. Abstimmung und Wahlen sind offen bis zum 28.10. um Mitternacht.

Jahrestagung

Am 30. Oktober findet unsere Jahrestagung im Werkhof in Fribourg statt. Anmeldungen nehmen wir ab sofort entgegen. Unsere Mitglieder haben Vorrang, denn wir haben nicht nur das Programm reduziert, wir müssen auch die Zahl der Teilnehmenden einschränken. Aber: Ausnahmsweise ist es dieses Jahr kostenlos. Und: Wir übertragen alles per Stream! Den Link findet Ihr rechtzeitig auf www.investigativ.ch.

Die Jahrestagung beginnt um 14 Uhr mit einem Workshop mit Nils Hanson zum Thema «Bulletproofing your Story» und der von ihm entwickelten «line-by-line» Überprüfung. Hanson ist Investigativjournalist beim Schwedischen Sender SVT und war von 2003 bis 2018 Chefredaktor von «Mission Investigate», eine preisgekrönte Sendung, für die er weiterhin arbeitet. Nach dem Workshop folgt eine Podiumsdiskussion zum Thema «Recherchieren in Zeiten von Corona» bevor wir zur Verleihung des Goldenen Bremsklotzes 2020 kommen – in einer Corona-Spezialausgabe! Und zum Abschluss gibt es einen sozialdistanzierten Apéro.

Weil Vereine gemäss den Covid Verordnungen 2 und 3  des Bundesrates im Jahr 2020 ihre Mitgliederversammlungen entweder physisch, elektronisch oder schriftlich durchführen können, hat der Vorstand von investigativ.ch an seiner Sitzung vom 22. September beschlossen, die Mitgliederversammlung 2020 schriftlich durchzuführen. Die Mitglieder haben die entsprechenden Unterlagen erhalten und können bis 28.10. um Mitternacht abstimmen.

Goldener Bremsklotz 2020 – die Corona-Sonderedition

Das Corona-Virus hat die Schweiz noch immer fest im Griff: Es sind aufregende, aber auch schwierige Zeiten für recherchierende Journalistinnen. Kritische Fragen? Zur Zeit nicht besonders erwünscht. Insistieren, nachhacken, Dokumente verlangen: Haben die Beamte nicht schon genug zu tun? «Muss das wirklich sein? brauchen sie das wirklich? Wir laufen total am Limit.»

Solche und ähnliche Aussagen haben wir alle häufig gehört. Aber wer hat Euch in der Krise besonders dreist abgewimmelt? Wer hat Euch angelogen? Schickt uns Eure Vorschläge für den Goldenen Bremsklotz 2020 – die Corona-Sonderedition. Möge der übelste Informationsverhinderer gewinnen! 

kontaktATinvestigativ.ch

Recherche-Verhinderer gesucht!

Für unseren goldenen Bremsklotz suchen wir noch aktuelle Beispiele. Gerne auch solche, die mit Corona zu tun haben. Eingesperrte Daten, der Virus als Ausrede für Intransparenz, usw. Schick deinen Vorschlag an kontaktATTinvestigativ.ch.

Jahrestagung auf Herbst verschoben

Es hat zwar ein wenig gedauert, denn wir wollten  sicher sein, dass alle Speakerinnen und Workshopleiter, die wir für unsere Jahrestagung am 8. Mai vorgesehen hatten, auch am Ausweichdatum dabei sein können.  Das hat geklappt und wir legen uns fest: Unser investigativ.ch-Jahrestreffen wird neu am 30. Oktober 2020 stattfinden.

Was wir auch im Oktober beibehalten: Die nationale Ausrichtung unserer Tagung. Sowohl auf den Podien als auch im Publikum nehmen Journalistinnen und Journalisten aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz teil. Damit die Aktualität trotz unserer frühzeitigen Planung dann nicht zu kurz kommt, halten wir uns natürlich noch ein paar Slots im Programm frei. Auch unsere Generalversammlung, die jeweils im Vorfeld der Tagung stattfindet, verschieben wir auf diesen Termin. Das detaillierte Programm werden wir rechtzeitig bekannt geben.
 
Wir freuen uns also, Euch am 30. Oktober 2020 im Werkhof in Freiburg im Üechtland begrüssen zu dürfen.

Fotoreportagen

Der Corso di giornalismo della Svizzera italiana ist eine Weiterbildung für Journalistinnen und Journalisten, die bereits im Beruf tätig sind und ins Berufsregister BR aufgenommen werden möchten. Die Studierenden des Jahrgangs 2019-2020 haben einen Blog lanciert: mit ihrer Genehmigung wird investigativ.ch die Artikel abdrucken, die in der Recherche-Arbeit nützlich sein können. Diesmal ein Artikel zu Fotojournalismus. Hier geht es direkt zur Webseite und zum Audiofile (auf italienisch).

Sergio Ramazzotti: scattare per testimoniare la storia

A cura di Yara Rossi e Matteo Vanetti

“La fotografia non è mai stata così viva e così cruciale come oggi”. A dirlo è Sergio Ramazzotti, fotogiornalista che da oltre 30 anni racconta storie dagli angoli più remoti del pianeta. I tempi dei grandi reportage sono finiti e i principali giornali vivono appieno la crisi dei media, con un conflitto di interessi legato agli inserzionisti che ne garantiscono la sopravvivenza. Quale investitore vorrebbe vedere la pubblicità del proprio marchio nella pagina affianco a quella che documenta la sofferenza di una guerra che dura da decenni e che ha lasciato dietro di sé migliaia di vittime?

Il fotogiornalismo ha quindi dovuto adattarsi e in molti casi si è messo al servizio di diverse istituzioni e corporation, senza venir meno al proprio codice deontologico, utilizzando il linguaggio giornalistico per realizzare un’istantanea della verità che ci circonda, cercando di abbattere quel muro creato da una sorta di dissonanza cognitiva, un rifiuto consolatorio della realtà innato in ogni individuo. Una buona fotografia deve essere capace di cogliere l’essenza di un attimo, di cristallizzare la verità, di essere “un pugno nello stomaco dato con eleganza” e suscitare emozioni nelle persone.

Il mandato di un fotogiornalista è quindi quello di sensibilizzare il lettore su uno specifico tema, narrare degli avvenimenti senza però interferire con essi, “entrare in punta di piedi nella storia”, come lo definisce Ramazzotti. Lo stesso però ammette che a volte i rapporti con i soggetti non sono facili da gestire e c’è sempre il rischio di farsi coinvolgere dalle circostanze, di non riuscire a mantenere le distanze o di entrare troppo in empatia con i protagonisti. È necessario saper leggere le situazioni, essere in grado di gestirle ed evitare di interferire con la scena.

Nell’era della manipolazione digitale, delle fake news, del deepfake è una sfida continua farsi garante della verità, soprattutto perché il problema dell’autenticità dei contenuti cresce in maniera proporzionale alla diminuzione della soglia di attenzione delle persone. Secondo alcuni dati statistici forniti da Ramazzoti, nel 2020 è previsto che il traffico dati video ammonti al 75% del traffico globale. Le condivisioni video sui social sono aumentate del 1’200% rispetto a foto o post scritti. I dati più significativi però si riferiscono alla fruizione degli utenti: l’85% spegne il video prima di 10 secondi e la maggior parte lo guarda senza audio. È logico chiedersi che cosa ha una capacità più elevata di penetrazione, 72 foto in 3 secondi o una singola immagine che comunica assoluta chiarezza?

Alcune foto sono uno stimolo sufficiente per influenzare una sola persona, altre invece possono cambiare il corso della storia.

Abbiamo incontrato Sergio Ramazzotti al termine della sua presentazione e gli abbiamo posto alcune domande.

Public Eye Investigation Award

Die Kolleginnen und Kollegen von Public Eye vergeben erneut Preise für investigative Recherchen. Deadline ist der 9. März. Und darum geht es:

Nach der erfolgreichen Erstausgabe des Investigation Award anlässlich unseres 50-Jahre-Jubiläums 2018 unterstützen wir auch 2020 wieder zwei journalistische Projekte mit je 10 000 CHF, deren Recherchen in jenen Ländern ansetzen, wo die Rechte von Menschen durch verantwortungslose Konzerne verletzt werden. Denn wer kann solche Ungerechtigkeiten besser dokumentieren als jene Medienschaffenden, die dort sind oder dorthin gehen, wo sie geschehen? Infos und Teilnahmebedingungen findet Ihr hier.